Alpine Discovery

Entdecken und Erleben im Alpinstil

Days in Nepal

Kathmandu

Das Chaos auf der Straße war fast perfekt als wir nach ca 16 Stunden Reisezeit in Kathmandu den Flughafen verließen. Es schien als wolle jeder Taxifahrer der Stadt seinen Teil vom Kuchen der ankommenden Touristen abhaben wollen. Gut, wenn man sich nicht gleich ins erste Gefährt buxieren lässt. Irgendwann kommt man hinter den Plan und man bekommt auch für anständiges Geld eine gute Fahrt. So beginnt allso unser Abenteur, dass uns nun drei Wochen durch eines der ärmsten Entwicklungsregionen der Welt führen sollte. Den Auftakt und Abschluss macht dabei die Hauptstadt. Ein riesiger Ameisenhaufen voller Geschäftigkeit. Irgendwie scheint hier immer irgendwer irgendwas zu tun. Ohne unter den millonen umherfahrenden, wandernden und hupenden menschen auch nur einen zu finden, der zielstrebig einem Ziel zusteuert. Gleichzeitig schein hier irgendwie jeder jeden zu kennen und vor allem kennt man uns, den weißen Touristen. Aus jedem der kleinen Läden schallt ein „Namasté“ und man versucht uns immer was zu verkaufen. Aber auf eine doch charmante Art und Weiße. Einzig aufdringlich ist die Häufigkeit.

Das Leben auf Kathmandus Straßen ist unendlich

Wir haben unser Guesthouse in Thamel bezogen. Einem Stadteil in dem überwiegend Touristen unterkommen, dass aber keineswegs dem Troubel und dem Leben der übrigen Stadt fern ist. Man ist tatsächlich gut damit beraten, eine Unetrkunft zu wählen, die einem etwas Ruhe gönnt. In einer Seitenstraße etwa. Dort lassen sich besser unter in Ruhe Pläne für die nächsten Tage schmieden. Andernfalls wird man von der Betriebsamkeit Kathmandus einfach überrollt. Und eines ist gewiss. Diese Stadt schläft nie. Bietet aber durchaus ihre Reize, mit alten Gebäuden, den kleinen und großen Tempeln und eben den Menschen die sie mit Leben erfüllen.

Wir haben uns nie Sorgen um unsere Habe oder unsere Sicherheit gemacht aber so freundlich die Leute dort auch sind, sollte man bedenken, dass die meisten weit unter der Armutsgrenze ihr tägliches Leben bestreiten und immer versuchen werden aus jedem Geschäft das beste für sich raus zu schlagen. Handeln ist gerne erlaubt und auch notwendig und nicht jeder angebotene Dienst ist Frohndienst des ‚guten Karmas‘ wegen.

Was man auf jeden Fall machen sollte, neben den anderen touristischen Hauptatraktionen auf eigenen Faust auf den Weg machen, den Annapurnatempel und das Yak&Yeti Hotel zu finden. ich glaube, dann hat man schon einmal einen ziemlich guten Querschnitt durch die Stadt gemacht. Auf jeden Fall sollte man beim schlendern durch die engen Gassen auch mal den Blick nach oben wenden. Man wird überraschende Eindrücke erfahren.

Die Affen vom Monkey-Tempel

Tägliche Hausarbeit

Nach drei Tagen, an denen wir uns einiges angesehen haben, viel gelaufen sind und uns über Reiseformalitäten informiert haben ging es für uns weiter nach Pokhara. Die knapp 200 km lange Reise verschlingt dafür fast 8 Stunden und man ist gut beraten, einen Tourist Bus zu wählen. Dieser fährt zwar nur einmal am Tag ab und das schon sehr früh aber man genießt wenige nützliche Annehmlichkeiten und im Gegensatz zum Local Bus hält dieser auch nicht überall. Den Mehrpreis, den man dafür bezahlt weiß man spätestens nach der Benutzung eines Local Bus zu schätzen außerdem halten sich auch dafür die Kosten, unseren Fahrpreisen gegenüber noch in Grenzen. Wer es sich leisten kann, der fliegt die kurze Strecke nach Pokhara für ca. 110US$. Wir aller vorgewarnt sein, dass er im Land mit den meisten Flugunfällen in der zivilen Luftfahrt unterwegs ist.

Kathmandu – So ruhig, wie es selten ist

Pokhara – Paradies für Trecker und Gleitschirmflieger

Ein Glückstreffer war das Hotel, dass wir in Pokhara beziehen durften. Naja ein klein bisschen geschummelt hab ich schon. Ich bin mit Carina unterwegs und sie macht ihre Arbeit als Studentin für Tourismusmanagment wirklich gut. Auf jeden fall waren wir im Herzen des Lakeside-Viertels von Pokhara nah genug am Place to be und weit genug um doch ruhige Momente nach unsere Unternehmungen zu haben. Jedem der einmal nach ‚Pokra‘ reist sei das Silver Oaks Inn sehr empfohlen.

Vier Nächte verbrachten wir dort im ersten Teil um uns ein bisschen Urlaub zu gönnen und das erste mal auch den Gleitschirm auszupacken. zum Gleitschirmfliegen un Nepal sei auch noch einiges gesagt:

  • Es braucht ein Permit von ungefahr 45 US$/14 Tage der Civil Aviation Authority Nepal (CAAN) um überhaupt irgendwie in die Luft gehen zu dürfen. Der Nutzen hat sich uns nicht wirklich erschlossen, da auch locals bestätigten, dass das Geld hierfür meist in die Taschen der Schalterbeamten, auf jeden Fall nicht in den Flugbetrieb gesteckt wird. Zu bekommen ist dies aber an den zivilen Flughäfen.
  • Für weitere 1700 NRs bekommt man dann eine Jahreslandeerlaubnis des hießigen Luftsportvereins. Luftsportverein ist aber auch eher der falsche Begriff. Mit den Jahren haben sich ca. 50 – 60 kommerzeille Tandemunternehmen um Pokhara angesiedelt, welche diesen Betrag einfach verlangen. Nur gut, dass das „Vereinsleben“ so unübersichtlich ist, dass niemand diese Erlaubnis verlangt. Keiner weiß, wer es kontrollieren soll.

Man befindet sich eigentlich immer in gesperrtem Luftraum aber wenn man sich Auskunft einhohlt ist auch das überfliegen des nahen Flughafens kein Problem. Man muss halt „Rücksicht nehmen“.  Die Bestimmungen ändern sich beinahe jährlich. Früher wurde gar nicht kontrolliert, dieses mal war ein Polizeiposten am Berg und wollte dass CAAN-Permit sehen. 

Für 2€ – Carina würde jetzt sagen „nicht mal!“ Kann man in der Früh um 9:30 Uhr bei einem der zahlreichen Tandem Jeeps mit aufspringen und sich an den Startplatz bringen lassen. Die Fliegerei am Sanrangot, So der Name des Flugberges und gleichzeit dir Ortschaft mit dem überwältigenden Aussichtspunkt auf das Annapurna Himal  mit dem dominaten Fishtail (Mt. Machupuchare). Fliegen unter den sechs bis achttausendend Meter hohen Bergen begleitet einem an diesen einfachen Flugspot. Unzähligen Lande- und Aussenlandemöglichkeiten erfreuen das Thermikkurblerherz ebenso wie das eines eingefleischten XC-Piloten und sogar der nicht ganz unerfahrene Fluganfänger kommt Auf seine Kosten. Stundenlanges Fliegen im Hausbart ist so garantiert, wie das Fahren mit einem Aufzug.Allerdings muss man sich diesen Bart mit ca. 40 Tandempiloten und ihren Schirmen und um die zehn Geiern teilen, dass restliche Federvieh noch nicht mitgezählt. Da kanns auch schon mal eng werden. Gemessen an der hohen Flügelzahl in der Luft funktioniert das Miteinander aber erstaunlich gut. Rechtsrum geht man im Hindi-Nepal um die Stupi und Tempel. Also wird auch rechtsrum gedreht. Das bringt Glück. Auch wenn alles mit Schnabel und zum fliegen geborene links herum dreht.

Die wahre Größe eines Geiers erkennt man erst, wenn dieser zentimeter vor den Leinen eines Tandems nach kurzem, erschrockenem Flügelzusammenfalten eben diese wieder quer, zu einem gekonnten Ausweichmanöver, vor dem mindestens genauso erschrockenem Pilot-Passagier-Kollektiv wieder Aufspannt und seine über 2,50 m Quermaß präsentiert.

Was allen Flügen aber gemeinsam ist, die am See enden. Für einen absolut relaxten Sundowner in stimmungsvoller Atmosphäre ist immer gesorgt. Zahlreiche Bars und Restaurants reihen sich ans Seeufer. Besonders zu erwähnen sei hier die Gekko Bar die ca. 5 Gehminuten entfernt vom östlichsten Landeplatz ein absolutes Urlaubsambiente und den richtigen Rahmen für Fluggeflüster bietet.

Entspannen in der Gecko-Bar

Wir haben die Zeit in Pokhara für ein paar ruhige Tage genutzt. Entspannen und das Gefühl der Reise einzuatmen. Außerdem blieb Zeit für die Organisation des bevorstehenden Treckings.

Trecken im Annapurna Himal

PokHara eignet sich auch ausgezeichnet als Ausgangspunkt für Erkundungen in die Bergregionen. Mit dem Taxi geht es für ca. 10€ „nichtmal“ nach Nayapul oder Pedi von wo aus man einige Trecks machen kann. Der atemberaubendste und auch längste ist der Annapurny-Circuit. Wer schnell unterwegs ist kann ihn mit etwas Wetterglück in 15 bis 17 Tagen runterreissen. Der ABC, der Annapurna-Basecamptreck führt hingegen in knapp 6 Tagen hoch hinaus.

Wir haben uns dafür entschieden , den knapp 5 Tage dauernden Poon-Hill in Angriff zu nehmen. Und beinahe hätten wir ihn in drei Tagen gemacht. Wer ohne Guide losziehen will, wie wir, für den ist das eigentlich ohne Probleme machbar, sollte sich aber eine Karte des entsprechenden Gebietes mindestens im Maßstab 1:55000 besorgen. Was wir allerdings nicht wussten, die geführten Touren bestreiten pro Tag nur etwa eine Gehzeit von dreieinhalb bis vier Stunden. Wir waren trotz gemütlichen und ausreichenden Pausen gut unterwegs und haben uns am ersten Tag gleich zwei Etappen über 1900 hm nach oben gelaufen. Zu gegeben war das letzte Stück nicht mehr ganz so flüssig aber man muss sagen, dass das Wegenetz recht gut ausgebaut ist. Nicht alles ist einfacher Kiesweg aber immer so, dass man Freude am gehen hat und es auch für die Füße nie langweilig wird. Am ganzen weg warten immer in genügend kurzen Abständen Teehäuser und bewirtete Rastmöglichkeiten. Man muss sich also nicht hetzten und auch für den, der normalerweise nicht so oft in den Bergen unterwegs ist, werden die Touren angenehm machbar. Die letzte Unterkunft vor Poon-Hill ist in der Ortschaft Goripani und durch Zufall haben wir einen heißen Tipp bekommen. Die Snow-View-Lodge ist ein sehr komfortables Nachtlager für uns. Warmes Wasser, geheizter Dinning Room und am Oberen Ortsrand gelegen. Für den Magen gibt es hier Leckereien, die man sogar in den Touri-Stuben Pokharas vergeblich sucht. Der Poon-Hill wird dann erlebnisgerecht am nächsten Tag noch vor Sonnenaufgang erklommen. Die Nacht haben wir noch in den Schlafsäcken verbracht, da nur Decken wohl zu kalt gewesen wären. Vor dem Frühstück geht es dann los um den kurzen 300 hm – Anstieg zu bewältigen.  Was einen dann erwarte, lässt einen in vielerlei Hinsicht den Atem stocken. Zu erst darf man ernüchternd feststellen, dass dieses gewaltige Schauspiel des Sonnenaufgangs unter den 8.000ern Annapurna I und Dhaulagiri, nicht alleine erleben wird. Viel weitere wanderlustige Trecker und wandermutige Schulkinder strömen dem Aussichtsgipfel entgegen. Es kommt in dieser anfangs friedlichen Einsamkeit der Nacht bald Volksfeststimmung auf. Man versucht es, anfangs nur vergebens, auszublenden. Als dann aber die ersten, vor lauter Kälte schon herbei gesehnten, Sonnenstrahlen beginnen die hohen Berggipfel nach und nach und immer weiter in ein verheißungsvolles Rot zu tauchen, fällt es nicht mehr ganz so schwer alles um einen rum auszublenden. Was man dort sieht und erleben darf rückt die Welt wieder in ein Licht, dass den Betrachter spühren lässt, dass man als einzelner doch nur winzig klein ist auf dieser Erde und die wahren großen Dinge uns doch jeden Tag aufs neue geschenkt werden. Der Aufgang der Sonne ist so ein alltäglich wiederkehrendes Geschenk! Das doch zu selbstverständlich in unseren Köpfen ist.

Als wir so abstiegen, kamen uns immer mal wieder Menschen mit schweren Lasten auf ihren Rücken entgegen. Nur mit Badelatschen an den Füßen trugen sie teilweise Lasten die das, ihrem Alter entsprechendem Körpergewicht auch mal überstiegen. Erst da wurde mir bewusst: In dieser Gegend der Erde fährt kein Auto, kein Motorrad kreuzt deinen Weg und auch ein Hubschrauber fliegt hier nicht hin. Alles was man hier kaufen, essen und verbrauchen kann, jede Annehmlichkeit die man sich nach einem langen Marschtag gönnt, wird hier her getragen. Meist von Menschen, manchmal auch von Pferden. Ab diesem Zeitpunkt hab ich meine Feierabendbiere ganz neu zu schätzen gewusst. Ab diesem Zeitpunkt hab ich diesen Mikrokosmos aber auch ganz anders wahr genommen. Keine Autos – und du allein bestimmst hier die Geschwindigkeit mit deinen Füßen.

Bald darauf – und am besten noch bevor die breite Maße den Abstieg beginnt – geht es wieder hinunter zur Lodge, wo es nach einem reichen Frühstück gleich weiter geht. Mehr durch Zufall als bewusst sind wir dabei nach Gandruk gekommen und mussten uns in einem alten Gurung-Örtchen wieder finden. Ein genialer Zufall. Den unter uns lag eine lebendige Ortschaft, die genauso gut einfach 400 Jahre früher existieren hätte können. Und wahrscheinlich sind die ältesten der Gebäude auch genauso alt. Wir legten uns früh schlafen – das zeitige Aufstehen am Morgen fordert seinen Tribut. Aber nicht ohne ein Schauspiel zu beobachten, dass uns bekannt vorkam – nur eben anders rum – Alpenglühen an einem der höchsten Berge unserer Erde.

Am nächsten Morgen stand der Weg zu den heißen Quellen auf dem Plan. Ein besonderer Aspekt dieser Art von Trecking ist die Freiheit von heute auf morgen zu entscheiden, wohin man geht. Interessiert es dich – läuft man dort hin. So kann man auf einfache Art und Weise viele spannende Ecken des Naturreservates erkunden. Meist sind die Orte, die eine Besonderheit versprechen nur durch einen Tag marschieren von einander getrennt. Wer die Route etwas geplant wählt, kann so sein eigenes Abenteuer zusammen stellen. Genau auf jede Konditionsstärke, Erfahrung und Motivation zurecht geschnitten.

Noch etwas konnten wir, Carina und Ich nach bald zwei Wochen zusammen unterwegs sein feststellen. Man besinnt sich hier in dieser einfachen Welt mehr auf die nahen und kleinen Dinge. Wie zum Beispiel den eigenen Körper. Diese neuen ‚Gefühle‘ müssen natürliche geteilt werden und so kann es schon mal vorkommen, dass man plötzlich bemerkt, dass man ganz frei und hemmungslos die letzten, zähen Wegstunden über den Zusammenhang zwischen Erfolg des morgentlichen Stuhlganges und der Laufbereitschaft der eigenen Beine diskutiert hat. Ich verspreche euch, dass sich der Themenumfang wie von selbst in ungeahntem Maße erweitert. 🙂 Was jetzt komisch und witzig ist offenbart sich einem bald als Erkenntnis, dass manchmal die kleinen Dinge sind die einem einen glücklich-leichten oder anstrengen Tag bescheren.- Wichtig ist aber – In einer Welt in der die Berge hoch, die Wege schmal und Tage lang sind, wird auch der noch so abgebrühte Wanderer einen ganz neuen Selbstbezug und Blickpunkt auf sich und seine Umwelt erfahren. Ganz ohne Yoga, tibetische Klosterpraktika oder besonderes Lifestyle-Angebote.

Banthipur

Etwas weiter im Süden auf den Bergen liegt ein kleines verschlafenes Nest. Banthipur ist eine wunderschöne alte Stadt in dem Charme, wie sich jedermann Nepal vorstellt. Dorthin zu kommen ist recht leicht, Es geht ein Tourist-Bus direkt zur Ortschaft am Fuß der Berge und man nimmt einfach den nächsten Bus hinauf. Man kann sich eigentlich gar nicht verfahren. Wir waren überrascht, dass in dieser abgelegenen Ecke Nepals so viel Tourismusbetrieb ist. Es ist nicht überlaufen aber überwiegend Menschen aus dem Westen mit sichtlich nicht ganz schmalen Geldbeuteln und im fortgeschrittenen Rentenalter halten sich im Ortskern auf, den man auch recht leicht von der Bushaltestelle erreicht. Einfach gerade aus gehen. Entsprechen schwierig war es für uns eine freie Unterkunft zu bekommen. Aber wie wir uns in den vorangegangenen Tagen überzeugen lassen haben – in diesem Land ist nicht unmöglich und so erhaschten wir dennoch eine ganz passable Unterkunft mit einem furchtbar hartem Bett aber gemütlich umbaut.

Der Startplatz von Bandipur liegt auf einem Berg im Westen, kurz hinterhalb der Stadtgrenze. Ein Fußweg von 15 – 20 Minuten und nicht wirklich anstrengend und schon ist man auf einer kleinen Wiesenfläche und hat das nächste Tal unter sich. Das Fluggebiet ist eine steile waldige Ridge. Übersichtlich in der Länge und Ihren aerodynamischen Ecken und Kanten. Aber man darf sich nicht täuschen lassen. Wer ab 11:00 Ortszeit am Start ist, der kann zusehen und fühlen, wie sich die Thermik und der mit ihr verbundene laminare Wind aufbaut.

Startplatz in Bathipur – Klein aber fein

Ab ca. 13:30 ist er dann da und man darf sich nicht von der Stärke des Windes beeindrucken lassen. Geübt sollte man schon sein aber die Gleichmäßigkeit verspricht ein Flugvergnügen von spezieller Sorte. Soaren bis die Sonne unter geht. Wer es sich zutraut darf top landen. Wer nicht oder wer zu früh gestartet ist, dessen Flug nimmt ein Ende im Tal auf dem gut einsehbaren Landeplatz. Der sollte mit Vorsicht genossen werden, da er zwei nicht unwesentliche Schwierigkeiten beherbergt. Erstens wäre da die thermische Aktivität, die mitunter auch Dustdevils hervor bringt und so manchen Landeanflug zu einem Rodéo macht und dann sind da noch die Kinder der umliegenden Dörfer. Diese sind so von den fliegenden Gästen und vor allem ihrem bunten Plastiktüten angetan, dass sie nicht davor zurück schrecken, sich unter den Schirmen zu verstecken, daran zu ziehen oder auf ihnen herum zu springen. Alles muss angefasst und genau untersucht werden. An sich ist nichts schlechtes dran, aber dem Treiben muss mit Bestimmtheit Einhalt geboten werden, wenn es so weit geht, dass vor allem die Schirmkappe schaden nehmen könnte. Das Geschäftsmodel des geübten Packer ist noch nicht in diese Gegend vorgedrungen und so hat man seine kleinen Nöte. Davon abgesehen – sollte es kein Pilot missen, hier mal in die Luft gegangen zu sein. Ein schönes und spannendes Fluggebiet in einer wirklich großartigen Landschaft. Wer jetzt wieder nach oben in seine geliebte Unterkunft will, der hat nun einen 1 stündigen Fußweg vor sich oder er ruft sich über die Vertretung von Bluesky ein Jeep als Rückholer.

Bakthapur – Kathamandus kleine Schwester

Zurück nach einer endlos erscheinenden Fahrt im Bus in Kathmandu, war uns die große pulsierende Stadt schon um einiges vertrauter und irgendwie auch schon lieb ans Herz gewachsen. Man wusste, wo man was zu essen bekam, welche Ecken besonders schön, welche Gassen besonders dunkel waren. Zu mindest in der näheren Umgebung um die Unterkunft herum. Sehr lustig war unser Herbergenpapa – der auch einige Brocken deutsch verstand und scheinbar ein besonders sonniges Gemüt sein eigen nannte. Immer mit einem netten Spruch auf den Lippen und immer mit Rat und Tat zu stelle, machte dies auch auch das desulate Zimmer wieder wett. Der nächsten drei Tage blieb uns nicht viel über, als die Rückreise vor zu breiten. Man merkte, wo unsere Köpfe eigentlich schon waren. Es ist interessant festzustellen, wie schnell man wieder zu Hause ist, obwohl man das Land noch gar nicht verlassen hat – wie lang man aber noch weg ist, obwohl man schon längst wieder zu Hause ist. Ein schwammiger aber doch schön schwebender Zustand in einer Zwischenwelt. Aber ganz waren wir auch hier noch nicht weg. Bakthapur stand ja noch auf dem Programm.

Und als „alte Kathmanduprofis“ war der Weg dorthin auch nicht schwierig. 40 min. von der Bus-Station am Ragna-Park braucht es um eine Stadt weiter aber eine Welt entfernt zu sein. Die alte historische Stadt, die auch nicht vom Erdbeben 2015 verschont blieb, ist fast Autofrei. Sie ist von viel weniger Menschen besiedelt. Fast nur Touristen auf der Straße aber auch deren Zahl ist erträglich gering. Dafür ist die Bakthapur mit alten Tempeln und verwinkelten Gassengemäuern nur so gespickt und es entsteht bald ein eindrückliches Gefühl für das Leben in einer Zeit vor 500 Jahren. Nicht nur, dass die heiligen Bauten schön und beeindruckend anzusehen sind, sondern auch das religiöse Leben läuft scheinbar noch, wie vor einem halben Jahrtausend zurück so ab. Viel weniger freilich aber dennoch spühr und sichtbar wird den Göttern gehuldigt und die Großen des Landes verehrt.

Ein krönender und beeindruckender Abschluss unserer Reise durch tausend Facetten eine so kleinen und doch so großen Landes.

Die Einfachheit des Reisens, die großartige Landschaft, der Umgang der Menschen untereinander und mit den Fremden, das Klima und nicht zuletzt das benötigte Budget machen Nepal zu einem Reiseziel das von jeder Art an Tourist besucht werden kann und irgendwann auch sollte. Große Vorbereitung ist nicht notwendig, sofern man sich nicht einer speziellen Aufgabe widmet. Man nimmt sich Zeit und lebt einfach drauf los.

Wir kommen mit Sicherheit wieder!

 

mit Abstecher zum Plan de Corones

 

Jahresausgleiter 2016 from Andreas Lanzl on Vimeo.

Kurzum, die Münze entschied. Als ich im Auto Richtung Kocheler Berge unterwegs war und ich mit Kathi telefonierte und ihr eigentlich nur einen Guten Rutsch wünschen wollte. Sie plante einen Kurztrip über Sylvester nach Bassano del Grappa mit ihrem Freund und einem weiteren Fliegerspetzl. Allerdings war es nicht meine Münze, denn noch im Auto gen Süden sitzend führte ich selbes Telefonat mit Carina und erst hier wurde aus dem Vorschlag von Kathi, den dreien zu folgen ein ernsthafter Plan. Auf dem Plan stand, schlafen im Auto oder Zelt bei um die -5 °C und für Carina acht, bei mir vier Stunden Autofahrt. Außerdem war nichts gepackt, nicht vorbereitet. Aber der Gedanke, in südlicher Wärme und Thermik noch ein paar verlängerte Jahresausgleiter zu machen, lies uns nicht los. Also würde eine Münze geworfen und diese stand eindeutig auf Abenteuer! Wie viel Abenteuer, dass wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.

Kalte Nächte, schöne Tage

Kalte Nächte, schöne Tage

Die Nacht im Zelt war ein kaltes aber sehr lohnendes Erlebnis, wenn das Tiefland in klirrend kalter Nacht mit seinen Millionen Lichtern bei hereinbrechender Nacht vor einem zu funkeln beginnt. Ach die letzte Auffahrt an den Panetone um das verbleibende Auto zu holen und mal eben schnell noch der Sonne über hinter den hügeligen Alpenausläufern untergehen zu sehen war genauso verzaubernd, wie kurz am Tag der Silvesterfeier am Kronplatz einfach mal schnell den Gipfel zu überhöhen und in wunderbar geschenkter Thermik die Bergwelt zu genießen.

Bezaubernde Momente

Bezaubernde Momente

Bevor man sich mal wieder fragt, ob der Aufwand wirklich lohnt – sollte man öfter mal die Münze auf Abenteuer fallen lassen!

Schirm und Schneeshuh

Wahnsinn! Endlich hat der Winter auch bei uns Einzug gehalten. Die weiße Pracht bedeckt das Land und es ist wieder Zeit, den geliebten Schirm ein Winterschläfchen zu gönnen… Nicht so der eingefleischte Hike-and-Flyer. Zugegeben ist das Totschlagargument in der kalten Jahreszeit ja immer „Wenn ich schon mit Ski rauf geh, warum sollt ich dann nicht auch in den Genuß des Runterpowderns kommen?“

Kurze Gehstrecke, bevor die Schneeschuhe ran dürfen

Kurze Gehstrecke, bevor die Schneeschuhe ran dürfen

Richtig! Es ist schon ein schwer zu missendes Vergnügen, wenn man mit den Latten durch frisch gefallenen Pulver gleiten kann. Na merkt ihrs? Genau! Ist auch ein Gleitsport. Aber der ein oder andere H&F-Fan ist des Skifahrens gar nicht so mächtig und es gibt auch den ein oder anderen Berg, der sich zwar mit Ski besteigen ließe aber der die Abfahrt mit dichtem Wald und schwerem Weg versperrt. Da kommt doch der Trend des Schneeschuhwanders eigentlich wie gerufen.

Heißer Tee am kalten Startplatz

Heißer Tee am kalten Startplatz

Vor dem kalten Flug noch ein Gruß vom Nachbarberg

Vor dem kalten Flug noch ein Gruß vom Nachbarberg

Ich hab für euch mal die Praktikabilität dieser Kombi am Sulzberg in der Brannenburger Ecke getestet und musste feststellen, dass für gerade auch diesen Berg diese Variante des Berggehens und Runterfliegens die einzig logische Art der Fortbewegung ist. Traumhafte Ausblicke und die perfekte Aufstiegsvariation setzt neue Reize nicht nur fürs Auge, sondern auch für den Körper!

Man sollte allerdings ein paar Dinge beachten! Wer zum Beispiel das Fliegen immer im Vordergrund hat, muss sich nun auch mit dem Thema „Alpine Gefahren im Winter“ auseinander setzen. Auch ist der Start im Schnee nicht ganz einfach. Mit den Scheeschuhen an den Füßen in normalem Startgelände ist dies fast nicht praktikabel. Außerdem ist die am Startplatz nicht selten eine hinderliche Wechte oder Triebschnee anzutreffen. Besser mit den Gehhilfen eine Lauframpe planieren! Aber Vorsicht! Wechten können abbrechen und Triebschnee ist oft als kritisch anzusehen, was die Lawinensituation betrifft. Im besten Fall hat der Wind zwar in den Vortagen den Startplatz aper geblasen aber dann ist eben an anderer Stelle; beim Aufstieg mit Triebschnee zu rechnen.

Nichts desto trotz – kann man mit einem Schirm die Schneeschuhtour oder umgekehrt mit den Schneeschuhen das Winter-Hike&Fly ungeahnt aufwerten.

W&F zur Gehrenspitze // Leutasch

Manche Tage sind schön, an anderen wiederum funktioniert einfach alles. Doch diesen Tag muss man tatsächlich als Geschenk sehen. Das Wetter, der Schnee, der Gipfel und das Drumherum. Auf dem Weg zur Gehrenspitze nahe Seefeld, in der Leutasch begegnete uns kein Mensch. Naja, gar keiner stimmt auch nicht ganz. Nur Markus war noch unterwegs – ein ehemaliger Flugschüler, der wie er sagt, gar nicht so der H&F-Fan ist. Aber während der Revisionszeiten der Lifte bleibt ihm leider nichts anderes übrig, als die Höhenmeter mit den eigenen Beinen gut zu machen. Wir, Gabor und Ich waren dagegen mit nur einem Ziel unterwegs. Den Berg erleben. Bestens vorbereitet auch durch unsere Ausrüstung. In unseren leichten Wendegurtzeugen befanden sich jeweils ein kleiner leichter schirm, die Passende Rettung und ein Vario, dass die Größe einer Zigarettenschachtel nicht wirklich überstieg. So equiped war es für uns ein leichtes, diesen wundervollen Aufstieg zu genießen und den kann ich wirklich jeden Bergambitionierten nur empfehlen. Schöne Wege und eine sehr abwechslungsreiche Landschaft mit großartigen Talblicken und zum Schluss konditionell leichtem aber durchaus recht alpinem Gelände kurz unter dem Gipfel. Eine Genußtour von erster Güte! Eine gute Wegbeschreibung findet ihr hier.

An der Wettersteinhütte

An der Wettersteinhütte

Der Flug ist recht einfach. Nach SSE bis SSW wird entweder vom Gipfel oder von den östlich gelegenen Grasgraten gestartet. Die Landebedingungen was den Platz angeht kann ich hier leider nicht angeben, da es durch widersprüchliche Berichte fraglich ist, ob der Berg im Moment einen offiziellen Landeplatz hat. Deswegen denkt bitte daran, nur mit Aussenlandeerlaubnis zu fliegen.

Trotzdem kann ich diese Tour auch jedem Nichtflieger sehr ans Herz legen, auch wenn die Leutasch nicht von jedem in kurzer Zeit zu erreichen ist. Das nächstgelegene Ziel wäre im Übrigen die Hohe Munde.

Einplanen sollte man für die Tour, im Falle, dass das Fliegen möglich ist, lockere 4,5 Stunden. Dann hat man aber auch einen echt atemberaubenden Bergtag geschenkt bekommen. Es gibt noch eine spannende Aufstiegsalternative durch eine steile Rinne von Osten her. Diese möcht ich aber hier nicht näher beschreiben, da sie bei entsprechender Schneelage nicht vorhersehbar ist. Immer in Anbetracht der eigenen Fähigkeiten natürlich 😉

Blick Richtung ost hin zum Leutaschtal

Blick Richtung Ost hin zum Leutaschtal

Oder: Kinderpunsch- und Streckenfliegen mal anderst

Traumwetter hat man ja im Dezember öfter einmal, wenn das Jahr nicht ganz auf grau eingestellt ist und diese Tage sollte man nutzen.

Without any motion from Andreas Lanzl on Vimeo.

Video mit Material von der Westendorf-Safari

Aber richtig. Ich brauch wohl keinem sagen, dass die Flüge in unseren Breiten durch die wenige Sonneneinstrahlung nur eher selten die 100er-Marke ereichen. Eher nur knapp die zig-Kilometer-Grenze anknabbern. Also sucht man sich entweder einen Flecken Erde der durch bessere Klimabedingungen gesegnet ist oder wähl  entspanntere Flugvorhaben. An so einem kleinen Vorhaben durfte ich letztens Teilhaben und bin sofort Fan davon geworden.

Mehr oder weniger durch Zufall hab ich mich einer recht netten Truppe von „hiesigen“ Piloten angeschlossen, die von der Hohen Salve weg auf „Safari“ gehen wollten. Im Dezember! Nach kurzer Erklärung war der Plan klar. Seilbahnunterstützt ging es zwischen den Flugbergen Hohe Salve und Choralpe bei Westendorf hin und her. Eigentlich logisch: Warum nur immer einen Berg rauf und runter, wenn man doch der Fliegerei die Möglichkeit zum „Wandern“ abringen kann? Natürlich kann man nach belieben einen kleinen vorweihnachtlichen „Kinderpunschstopp“ oder eine Jause mit einbauen. Perfekt für entspannte Tage in der stressigen Geschenkebesorgungszeit.

 

Bestimmt gibt es dazu noch andere, geeignete Ecken in den schönen Alpen. Haltet doch einfach mal nach Skischaukeln ausschau! Oder Ihr kennt schon welche, dann schreibt doch einen kleinen Kommentar dazu und teilt mit uns eure Safari-Area!

Entspanntes Fliegen im schneefreien Süden

Wer kennt nicht das bekannteste Fluggebiet der Alpen? Wenn überall noch alles weiß und grau ist, wird hier schon lange in der sanften Thermik der Alpensüdseite geflogen. Die meiste Zeit im Jahr ist man allerdings nicht alleine an den zahlreichen Startplätzen und so wird aus dem erhofften entspannten Flugvergnügen ein stressig drängelndes Unterfangen in der Luft.

Wir waren in der Woche vor dem 24. Dezember mal unten am hottesten Spot für Plastiktüten-Cowboys – und Girls – und haben mal abgecheckt was geht.

Und es fliegt! Es fliegt sich sogar sehr gut und wie erhofft total entspannt. Allerdings sollte man dazu wissen, dass wir sehr Glück hatten, dass an der ansässigen Schule (!) eine Schülerin gerade zur Höhenflugausbildung da war und somit auch für uns der Shuttle-Service gesichert war. Andernfalls hätten wir Probleme bekommen, überhaupt und ohne eigenes Auto die Take-Offs zu erreichen.

Übernachtungen in einem der zahlreich vorhandenen B&Bs zu bekommen ist gar kein Problem – auch die Tourist-Info hat offen und gibt gerne Auskunft. Nur eben sollte man sich sicher sein, dass Schulbetrieb herrscht und sich am besten schon vorher bei Airpark Bassano informieren ob das Shuttle fährt.

W&F ist zwar möglich, kann aber durch die durchgehend geteerte Straße seine romantisches Potential auf keinen Fall ausspielen.

H&F auf die Hochplatte (Achenkirch)

Schöne einfache Tour für leichte Ostwindlagen. Weniger begangen als der Christlumkopf und die perfekte alternative zum Schönberg (Lenggries).

Gipfelhöhe: 1814 mMSL // Gehzeit: 2,5 h // Höhendifferenz: 870 hm // Startrichtungen: SSE – E – NE // Ausgangspunkt und Landung: N47.51466, E11.69736

Hinweiß: Knapp im Gleitwinkelbereich (A-Schirm) Ettappenflug –> Sicherheitslandung Falkenmoosalm (leicht), Bründlalm (schwierig)

Es gibt zwei Möglichkeiten auf die Hochplatte zu kommen. Einmal parkt man an der Seilbahn und wählt den Weg über die Pründelalm. Hier folgt man im leichten Aufstieg auch der direkten Flugroute ins Tal. Abwechslungsreicher, aber auch was die Steilheit der Anstiege angeht, ist der Aufstieg über die Skitourenroute. Leider ist es auch nicht ganz einfach, direkt in Parkplatznähe zu landen uns so muss man auch noch einen kurzen Fußmarsch durch das Tal in kauf nehmen, der sich aber mit sicherheit lohnt. Landewiesen gibt es im übrigen genug – wenn man es über’s Tal geschafft hat. Denn man sollte in der Luft und ohne Startüberhöhung nicht viele Anstalten machen und den Weg zurück ins Tals suchen. Dabei folgt man logisch dem Bergrücken Richtung Achenkirch-Süd. Der Überflug zum „Tiroler Land“, dem Start der Skitourenroute ist dank weitläufiger Bewaldung eher eine Zitterpartie!

Letzter Gipfelaufschwung über Falkenmoosalm

Im Winter ist der Gipfel, dank des sehr steilem Ostaufschwungs, bei schlechtem Schneebedingungen, nicht immer sicher. Im Sommer hingegen ist es eine vielversprechende Tour, welche bei schwachen Nordlagen und Ost- bis Südwind immer geht.

Blick nach ESE Richtung Achensee. Hier ist die Hauptsächliche Startrichtung zu sehen. Rechts am Kreuzfuß vorbei sieht man die nächste Landewiese im Talgrund.

Wenn man in der Luft den Bergrücken folgen muss, weil man kein Steigen erhält, sollte man in Etappen fliegen. Der erste Ausweg ist, Abgesehen von der Wiese direkt unter dem Start, die Falkenmoosalm. Wenn man links schaut ist sie noch lange zu erreichen und gut zu sehen und auch für den, der nicht den Aufstieg über die Skitourenroute gewählt hat, wird hier einen einfachen und leicht zu folgenden Abstieg vorfinden.

Hochfeiler November 2011

Tourensteckbrief

Anstieg: 1800 hm // Gipfel auf 3510 m MSL // Zeit 1,5 Tage // Ausrüstung: Steigeisen&Pickel // Übernachtung im nicht beheiztem Winterraum

 

Tag 1 / 2

Eine kurzentschlossene Verabredung für das kommende Wochenende war der Startpunkt für ein grandioses Bergerlebnis in den (noch) Zillertaler Alpen. Wenn man den Namen in seiner Muttersprache hört, dann möchte man seine Zugehörigkeit zur eben genannten Berggruppe gar nicht glauben. Aber der Grand Palistro gehört trotzdem zu den schönsten der Zillertaler Gruppe.

Versucht man sich ihm von Norden her zu nähern erwartet einem der Schlegeisspeicher und von dort geht es, nur noch zu Fuß, dem Bachbett mit seinen dicken, unwegsamen Geröllbrocken der längsten Eiswand der Tiroler Alpen entgegen. Die Hochfeiler Nordwand ist eines der letzten verbleibenden und nicht dem Klimawandel zum Opfer gefallenen Paradiese für Eiskletterer.

Wir näherten uns dem Gipfel auf der weitaus leichteren – im Sommer sogar leichten – Südroute von Sasso im Pfitschtal aus.

Wir begannen den Aufstieg zur Hochfeilerhütte (2710 m MSL) um ca. 13:30. Uns war klar, dass wir in die Nacht kommen werden aber der Weg zum Stützpunkt ist nicht schwer zu finden. Weggabelungen gibt es so gut wie keine. Man kann den eigentlichen Gipfel von hier aus zwar nicht zur Orientierung benutzen aber wenn man sich taleinwärts immer links hält ist der weg dennoch logisch und der ausgetretene Pfad nahe dem Talboden lenkt einen zielsicher nach oben, bis dann die Bergformation das Fortschreiten leitet. Auf nicht sehr steilem Weg macht man gute Meter Richtung Talschluss und zu guter letzt frisst man die Höhenmeter auf einigen Stichen weg. Alles in allem ein kurzweiliger und sehr schöner Anstieg. Einzig und alleine für die zwei Querungen in leicht ausgesetztem Gelände wünschten wir uns entweder Tageshelle oder vollkommene Dunkelheit, da die Bedingungen des letzten gefallenen Schnees eishart und rutschig waren. Der Pickel war hier Pflicht. Auf die Nutzung von Steigeisen verzichteten wir auf Grund des, an den wichtigsten Stellen vorhandenen Stahlseiles.

Es war ca. 18:30 Uhr, als wir die Hütte zum ersten mal als winzig kleinen leuchtenden Punkt am Horizont sahen. Zu unserer aller Überraschung und bedingt durch die bis dahin noch mondlose Nacht, war der ‚Horizont‘ gar nicht mal so weit weg und schon nach einer halben Stunde seit des ersten Erblicken erreichten wir die Hochfeilerhütte, deren Winterraum bereits voll besetzt war.

Für eine Übernachtung im Freien wäre unsere Ausrüstung definitiv zu wenig gewesen. Wir hätten kein Auge zu gemacht und unser vorhaben wäre schon an diesem recht einfachem Berg gescheitert.

Schnell noch zum Ausklang des Tages eine Suppe und ein Glas Rotwein zur Stärkung. Den Wein trank keiner von uns aus. Man merkt die Höhenmeter doch ein wenig und nachdem es doch ungemein anstrengend ist, bei -15°C Abendessen zu machen und gleichzeitig seinen Körper warmhalten zu wollen, war jeder froh, wenn das Essen zusammen mit einem Glas heißem Tee wärmend im Magen verschwunden war. Wärenddessen haben wir uns mit den Bewohnern des Winterraum’s – eine Gruppe polnischer Bergsteiger auf dem Rückweg – so verständigt, dass wir es doch irgendwie einrichten konnten, nicht im Freien übernachten zu müssen. Der Winterraum war also so voll, dass wir uns sogar allesamt zu zweit in ein kleines Bett zwängen mussten. Die klirrende Kälte war auch ungemindert innerhalb der kleinen gedrungenen Stube zu merken, Aber wenigstens ging kein Wind und das dicht an Dicht der Schlafsäcke tat ihr übriges für eine warme Nacht.

Tag 2 / 2

Der zweite Tag der Tour begann mit einem überwältigenden Schauspiel bei dem die Anmut der weißen Gipfel der Alpen außen herum und das Farbenspiel der aufgehenden Sonne die Hauptakteure waren. Gleich welche Sorge oder welche Anstrengung hinter oder noch vor einem liegen mögen, hier löst man sich auf in einer der klarsten Sinnhaftigkeiten dessen was man da gerade tut.

Gleich hinter der Hütte beginnt auch schon der Gipfelanstieg über den Grat zum Grand Palistro.

Wir hatten wohl die besten Wetter und Schneebedingungen, welche man für die Tour haben kann. Griffiger Harsch auf wenig lockerem Schnee und in den Steilungen perfektes Raueis. So wurde unsere Tour ein absoluter Hochtourengenuss für Steigeisen und Pickel.

Nach dem ersten Aufschwung, welcher aper ein Einfacher kleiner Klettersteig ist, fühlt man sich auch gleich wieder wie in einer anderen Welt. Von hier aus übersieht man den gesamten Grat- und weiteren Tourenverlauf. Weit weg von jeder Hektik und entrückt von der Zivilisation kommt man auf sicherem, wenn auch mitunter sehr steilem Gelände Meter um Meter voran und kann sich freuen auf das, was da an weg vor einem liegt.  Trotz des einfachen Schnee legen wir ab jetzt die Steigeisen nicht mehr ab und auch der Pickel kommt nicht mehr an den Rucksack, welchen wir an der Hütte, die wir als Depot nutzen, um einiges erleichtert haben. Ein ca. 2,5 h Anstieg zum höchsten Punkt der Tour, welcher auf seinen letzen Metern mit einem sehr steilen und scharfen Schneegrat aufwartet, liegt vor uns.

Die Höhe macht sich bei diesem Marsch bereits bemerkbar und jetzt geht auch jeder nur noch sein eigenes Tempo. Sicherlich ist es eine nicht wirklich hohe Hochtour aber trotzdem fällt das Atmen auch auf Grund der Kälte schwer.  Der Wind pfeift unerbittlich am Gipfel und die Finger und das Gesicht werden, alsbald man stehen bleibt und die grandiose Aussicht nach norden zum Schlegeis und Olperer genießt oder hinunter blickt ins Pfitschertal und sich an den tausenden schneebedeckten Bergspitzen des Alpenhauptkammes satt sieht, sofort eiskalt. Mehr wie ein kurzer Gipfelgruß und ein Foto zur Erinnerung wird es nicht, bevor wir den Abstieg beginnen. Das Foto hätten wir uns auf dieser Tour getrost sparen können. Zu tief waren die Eindrücke, die uns der Berg und das Wetter heute schenkten.

Der Rückweg folgt dem Aufstieg und bei Tageslicht ist dieser auch kein weiteres Problem mehr. Es bleibt genug Zeit sich über diese oder auch über nächste Touren Gedanken zu machen. Sich zu beratschlagen oder auch einfach nur das Eis und den Schnee um sich zu genießen, welcher es scheinbar sogar vermag, die Zeit einzufrieren.

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